Das Kreuz mit dem Kreuz

Veröffentlicht am Samstag, 29 August, 2009 um 20:35 von Ralfeva Millionär.
Kategorien:Kurzgeschichten.

Das Kreuz mit dem Kreuz

Als ich ein Kind war und mein Vater mir erzählte, dass jeder Mensch sein Kreuz mitschleppt, staunte ich nicht schlecht und stellte mir die Menschen Kreuze schleppend vor. Manchmal sah ich alte Menschen sehr gekrümmt unter dieser Last leiden und manchmal sah ich Menschen denen das Kreuz tragen nichts ausmachte. Mein eigenes Kreuz spürte ich damals noch nicht und ich fragte meinen Vater: „ Gibt es auch Menschen die kein Kreuz tragen müssen?“ Mein Vater verneinte diese Frage und sagte: „Jeder trägt sein eigenes Kreuz aber Gott hat es so eingerichtet, dass keines so schwer ist, dass man es nicht tragen könnte.“ Er erzählte mir die Geschichte von dem Mann der zum Himmel flehte und rief: „ Gott, mein Kreuz ist mir zu schwer , bitte tue etwas, dass ich es leichter tragen kann. Wenn Du mir schon ein so schweres Kreuz auflädst, dann bitte gönne mir auch Erleichterung, denn ich schaffe es nicht mehr.“ Gott hörte das Flehen und lud ihn in den Himmel ein um ihm die Möglichkeit zu geben sich ein neues, leichteres Kreuz zu suchen. Als der Mann im Himmel ankam führte ihn Petrus, Gottes Helfer, in einen riesigen Raum voller abgelegter Kreuze und hielt ihn an sich aus diesen Kreuzen ein passenderes zu suchen. Voller Freude stellte der Mann sein eigenes Kreuz ab und machte sich auf die Suche. Das erste Kreuz war zu lang, sodass man es beim Tragen nachschleifen musste. Das zweite Kreuz hatte scharfe Kanten die ihm ins Fleisch schnitten. Das dritte war so dick, dass er es kaum umfassen konnte. Ein anderes war zu hart oder zu schmal, zu schwer oder zu unbequem und so hatte er an jedem Kreuz etwas auszusetzen. Endlich, nach langem Suchen hatte er ein ideales Kreuz gefunden. Es hatte die richtige Größe, das passende Maß, war bequem und einigermaßen leicht zu tragen. Er bedankte sich durch Petrus bei Gott und verließ glücklich den Himmel um den Rest seines irdischen Lebens etwas erleichterter leben zu können. Als er auf dem Heimweg eine Rast machte und sein Kreuz neben sich abstellte um es ein wenig genauer zu betrachten musste er feststellen, dass er sein eigenes Kreuz ausgesucht hatte. Von nun an lamentierte er nicht mehr über seines Kreuzes Last und war damit zufrieden. Es kam ihm kein einziges Mal mehr in den Sinn eines anderen Kreuz tragen zu wollen.

Wer trägt schon gerne eine Last mit sich herum? Und wer sieht sich selbst schon gerne gebeugt unter der Last des Kreuzes? Wenn Gott uns aber nach seinem Ebenbilde schuf, so sind wir keine gebeugten Kreuzträger sondern vielmehr stolze Kreuzträger. Die Last des Kreuzes sollte uns in Demut und Erkenntnis beugen aber nicht aus Schwäche und Versagen. Wenn ich also, wie alle anderen ein Kreuzträger bin, dann möchte ich mein Kreuz freudig und würdevoll tragen.

Ich mache mir Gedanken über Gott und seinen Sohn. Das Kreuz überschattete nicht nur das Leben seines Sohnes, sondern wurde auch zu seiner Last, denn sein Sohn starb am Kreuz. Für Gott begann das Kreuz aber mit der Abtrünnigkeit seines schönsten Engels, dem Engel des Lichtes. Er aber trägt dieses Kreuz würdevoll und ungebrochen durch alle Widrigkeiten. „Gott, Du bist und bleibst woran wir glauben. Du sandtest deinen Sohn als Tröster auf die Erde, selbst im Hinblick seines und Deines eigenen Kreuzes.“ Dieser Trost ist lebensnotwendig für mich, denn er bestärkt mich niemals aufzugeben egal wer oder was mein Kreuz beschwert und egal ob ich auch mal unter seiner Last zusammenbreche. Ich stehe wieder auf und komme zu Dir, trage freudig mein Kreuz bis zu jener großen Kammer in der ich es abstellen darf um endlich von aller Last befreit mein Leben zu genießen.

Betrachte ich das Bild des Künstlers, so wird das Kreuz beschwert durch eine lesende Person, einen studierenden Menschen Das stellt für mich Bildung dar. Bildung als Hoffnung für ein besseres Verstehen, denn je gebildeter ich meine Umwelt betrachte um so verantwortlicher bin ich für sie. Unbebildeten Menschen kann man oft keine Vorwürfe machen, weil sie den Grad der Bewusstheit, indem Zuwiderhandlungen zur Sünde werden, nicht erreichen. Nur wider besseres Erkennen handeln heißt sündigen. Also trägt Bildung und die daraus resultierende Erkenntnis dazu bei, die Wege so zu wählen, dass das Einverständnis der Seele und damit auch das Einverständnis Gottes vorausgesetzt wird. Diese Wege aber sind oftmals steinig und schwer, risikoreich und ungewiss. Also bleibt die Bildung der Hoffnungsfaktor für bessere Erkenntnis.

Neben dem Studierenden sitzt ein Paar, ein Liebespaar, als Symbol für die Liebe. Liebe ist etwas glücklich machendes, etwas wunderschönes. Auch Liebe soll das Kreuz beschweren? Ja, auch Liebe kann uns leidend machen. Oft werden wir sogar gerade durch die Liebe geprüft. Was ist unsere Liebe wert? Benutzen wir das Wort Liebe nur um unser Wohlbehagen schneller zu erreichen oder nehmen wir das Wort ernst? „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ Dieses Gebot ist von allen Geboten am schwersten einzuhalten obwohl es sich am einfachsten anhört. Würden wir diese eine Disziplin beherzigen, zu unserer Lebensaufgabe machen und zur Meisterschaft führen, so würden Millionen Gesetzte ihre Existenzberechtigung verlieren, denn alles könnte mit Nächstenliebe gelöst werden. Keiner müsste sich gegen Vorurteile anderer wehren und jeder wäre in seiner Art geliebt.

Hier kommt wieder das Kreuz Gottes ins Spiel, denn es gibt den Widersacher, Luzifer den Engel des Lichtes. Dieser kämpft gegen ihn um die Herrschaft und die Macht über alle Seelen. So sitzt auch ein Pfarrer auf dem Kreuz und symbolisiert den Glauben. Gott sandte seinen Sohn in diese Welt um uns ein Zeichen zu geben. „ Seht, ich bin bei Euch bis ans Ende aller Tage.“ Wie viel Trost in diesen Worten liegt. Also gründete Jesus Gottes Kirche durch Petrus den Fels, auf dem er sie errichtete. Jahrhunderte lange Kirchengeschichte, menschliches Versagen und mangelnde Nächstenliebe rüttelten gewaltig an der Glaubwürdigkeit der Kirche. Heute zweifeln mehr Menschen denn je an der Richtigkeit des Glaubensbekenntnisses und doch erweist sich die Kirche immer wieder als ein Ort der Zuflucht und eine Art Zuhause. Auch den gepredigten Glauben nicht kritiklos hinzunehmen, sondern im Gestrüpp der Undurchsichtigkeiten den Schatz der Wahrheit finden und somit den Weg, beschwert unser Kreuz.

Selbst wenn große Steine unseren Weg versperren und wir zu stolpern drohen, sollten wir unbeirrt unsere Richtung beibehalten. Was der Künstler als Stein malte möchte ich lieber als Rucksack sehen. Ein Rucksack voller Überraschungen in Form von Belohnungen. Etwas Proviant, ein Schluck Wasser als Anerkennung und Zeichen für die Richtigkeit des Weges. Belohnung für tugendhaftes Handeln und somit Antrieb fürs Weitermachen und Durchhalten. Ich verstehe Gott als liebenden Vater der seine Kinder nicht ohne Proviant und Lob alleine auf sich gestellt lässt, auch dann nicht wenn sie sich verirren.

Und so sehe ich mich aus der Siedlung im Tal kommend, über den Berg wandernd, ein mit Glaube, Liebe und Hoffnung beschwertes Kreuz tragend, vor mir den Stolperstein, (oder Rucksack) alleine und doch gemeinsam mit allen anderen Kreuzträgern hin zum großen Raum wandernd, hin zu Gott.

Beschreibung eines christlichen Bildes von:

Ralfeva Millionär

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Die Lebensprozedur

Veröffentlicht am Samstag, 29 August, 2009 um 20:31 von Ralfeva Millionär.
Kategorien:Kurzgeschichten.

Die Jahrsiebte Philosophie

Vor langer Zeit, als der „alte Rabe“ noch lebte, bediente sich die Sprache noch anderer Worte. Doch obwohl sich Erzählkunst und Sprache wandelten, ergeben seine uralten Geschichten heute noch den gleichen Sinn wie damals, einen Sinn nämlich, der ein Menschenherz leise berührt. Aus keiner Überlieferung geht hervor wie sein richtiger Name lautet,e den hatte man schlichtweg vergessen. Man nannte ihn „Rabe“ wegen seiner bevorzugten, schwarzen Kleidung, seinen dünnen, fast vogelartigen Beinen und seinen listigen, verschmitzten und klug dreinblickenden Augen. Vor allem aber wegen seiner Stimme, die eher gequält seine Kehle verließ und von so krächzender Färbung war, dass sie fast unerträglich war. Ansonsten war „Rabe“ ein eher kleiner, dünner Mann, mit blassem Gesicht, in dem über einem schmallippigen Mund, eine große gebogene Nase prangte. Er hatte keine Freunde und das lag traurigerweise an seiner Stimme. So jedenfalls erzählt man sich. Männer hätten „Rabe“ wohl längst vergessen, es waren vorwiegend Frauen, die seine Stimme ertrugen und gebannt seinen Worten lauschten, welche  sich zuweilen zu wundersamen Geschichten fügten. Ja, es waren, bis auf wenige Ausnahmen, Frauen die seine Erzählungen weiter trugen und während langer Winternächte hervorkramten wie wertvolle Kleinode. Bis zu seinem Tode bewohnte Rabe eine kleine, schlichte Hütte. Niemand hatte sie je von innen gesehen. Oftmals saß er vor seiner Hütte auf einer plumpen Holzbank, beide Hände auf den vor sich stehenden Stock gestützt, und redete mit sich selbst. Er war ein rechtes Plappermaul. Sobald sich aber jemand für seine Weisheiten interessierte, sei es eine vorbei ziehende Bauersfrau auf dem Weg zum Markt, ein fremder Wandersmann oder ein spielendes Kind, riss ihn seine eigene Begeisterung in die Höhe und er begann zu erzählen, und hörte nicht auf, bis seine Geschichte zu Ende war. Dabei vollführte er einen krächzenden Stocktanz. Er gestikulierte in ausdrucksstarker Gebärde, rollte die Augen, rümpfte die Nase, schürzte die Lippen, hielt den Stock mal links mal rechts, zeigte seine Handinnenfläche oder zeichnete, mit der gerade freien Hand, eine Erklärung in die Luft. Dabei zwinkerte er vergnügt mit den Augen in deren Winkeln sich ein kleines Lächeln verbarg. Es wird gemunkelt, er sei ein kluger Mann gewesen, obwohl er nie eine Schule besuchte. So manche Erzählung fand seinen Ursprung bei „Rabe“ so auch die „Jahrsiebte Philosophie“  oder  Lebensprozedur  genannt. Und so erzählten die Frauen und pflanzten sein Erbe in unser menschliches Denkgeschehen. Also hört die Geschichte:


Die Lebensprozedur


So wie das diesseitige Leben in verschiedenen Prozessen abläuft, so läuft auch das jenseitige Dasein in verschiedenen Prozessen ab. Eine Seele die unbedingt zurück ins Erdenleben möchte wird komprimiert. Die wichtigsten Eigenschaften werden so reduziert und gefaltet, dass die Grundstruktur erhalten bleibt und neu formbar, erlernbar und erkennbar wird. Was eine alte Seele an wichtigen Erkenntnissen gesammelt hat, passt nur in abstraktem Zustand, eng gebündelt und fest verschnürt in eine Babyseele. Wenn also die Seele den reduzierten, abstrakten Zustand erreicht hat, stecken zwar alle, aus früheren Leben gesammelten Erkenntnisse und Einsichten in ihr, aber in tausendfach eng zusammen gefalteter Form. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen in der das Seelchen seine Eltern wählt. Es wählt bewusst jene, die es im zukünftigen Leben durch neue Erkenntnisse weiterbringen, egal wie leicht oder schwer eine Kindheit, wie klug oder ungebildet die Eltern, wie dramatisch oder risikoreich das Leben auch sein mag. Für die kleine, in die Welt gekommene Seele ist es von größter Wichtigkeit die richtigen Erfahrungen zu machen, damit sie sich entfalten kann. Wissende und liebevolle Eltern, die den göttlichen Funken in sich spüren, folgen den kosmischen Gesetzen und helfen der kleinen Kinderseele bei ihrer Entfaltung. Durch diese Lebenseinstellung bekommt ihre eigene Seele auch einen Erfahrungsschub, wird erkenntnisreicher und glücklicher. Alle beteiligten Seelen erhalten durch solche Hilfestellungen, man nennt sie auch Nächstenliebe, Struktur. Der Weg birgt also immer die Konsequenz der Wahl, sowohl die der kleine Seele durch die Wahl ihrer Eltern, als auch die der Eltern durch die Wahl ihres Handelns. Wenn eine Seele das jenseitige Dasein verlässt um sich in einem neuen Körper zu manifestieren, so geht sie durch ein Himmelstor. Links und rechts steht je ein Engel. Es ist der himmlische Geleitschutz. Der Engel auf der linken Seite trägt eine Spule mit einem lichten, silbernen Faden. Diesen Faden verankert er im Inneren der Seele. Im menschlichen Körper ist er später unsichtbar im Bereich des Solarplexus. Dies gilt der Seele als Sicherheit, damit sie nie den Faden zur Göttlichkeit verliert. Der rechte Engel aber küsst die Seele auf die Stirn. In körperlichem Zustand ist es später das so genannte dritte Auge. Das geschieht deshalb damit die Seele den paradiesischen Zustand im Jenseits vergisst und ein erfülltes Erdendasein leben kann und doch die wahre Heimat ahnt. Als Himmelsgeschenk bekommt die kleine Seele ein Grundgerüst seiner persönlichen Struktur mit auf den Weg. Nach Rabes Theorie ist es der erste Teil eines inneren Strukturgebildes, welches im Laufe des Lebens erweitert wird. Alle sieben Jahre erwirbt man sich in der Erkenntniswelt ein neues Strukturgebilde dazu. Das Erdenleben birgt in sieben Lebensjahren ein Erkenntnisjahr, das heißt: sieben Lebensjahre im Diesseits sind ein Erkenntnisjahr im Jenseits und umgekehrt. Wir entwickeln uns also hier von Lebensjahrsiebt zu Lebensjahrsiebt. Das Leben ist von der göttlichen Vorsehung in Jahrsiebte geteilt. Im ersten Jahrsiebt sind noch viele himmlische Kräfte am Werk. Sie helfen der kleinen Seele die Eltern zu erkennen und zu akzeptieren und sich mit ihnen zu arrangieren. Sie helfen dabei das Mensch sein neu zu erlernen und die Gefühlswelt mit der geistigen Welt zu vernetzen. Im zweiten Jahrsiebt kommt dann Erlerntes zur Vernetzung mit der Gefühls- und der geistigen Welt dazu usw. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man erst mit Vollendung des dritten Lebensjahrsiebts volljährig. (Diese Aussage stammt nicht von „Rabe“, aber er wäre sicherlich einverstanden dieses Beispiel zu erwähnen.) Man sagt auch, ein Mann ist erst mit Vollendung des vierten Lebensjahrsiebts ausgewachsen und reif genug zur Familiengründung. Frauen sind zwischen dem vollendeten zweiten und sechsten Lebensjahrsiebt fruchtbar, um nur einige Beispiele zu nennen. Und so schauen die himmlischen Helfer alle sieben Jahre nach dem Werdegang unserer Seele, für sie ist es ja nur ein Jahr. Während dieser sieben Jahre strukturiert sich unsere Seele. Sie baut sich während des jeweiligen Jahrsiebts durch aufmerksames Beobachten, Lernen und Erkennen eine neue Struktur, unter anderem auch durch die eigene Entfaltung. Sowohl in der Erkenntniswelt als auch im jeweiligen Jahrsiebt spricht man vom Reifen. Am Ende eines jeden Erkenntnisjahres fassen die himmlischen Helfer die Lernergebnisse zusammen. Wir fertigen durch eine gewisse innere Haltung, durch Lernen und Erkennen während eines Jahrsiebts unsere persönliche Seelenstruktur. Vollendet und aufgebaut wird sie allerdings in der geistigen Welt. Und das ist Rabes Philosophie: Jedes Jahrsiebt schließt mit der Vollendung einer Erkenntnisstruktur. Ganz egal wie diese Struktur beschaffen ist, sie passt immer nur zu dem jeweiligen Menschen in dem sie entstanden ist, aber dafür immer zu einer im vorherigen Jahrsiebt gefestigten Struktur. Sie kann also an eine bereits bestehende Struktur individuell angebaut werden. Da wir beim Verlassen des Himmels als Geschenk unser erstes Strukturgerüst bekommen haben, wir aber in den, zumindest ersten Jahrsiebten nicht fähig sind, unsere Persönlichkeit richtig zu erkennen, haben unsere himmlischen Helfer die Aufgabe unseres Schutzes übernommen. Später sind wir aus Gründen der Eitelkeit, des Stolzes, der Lüge oder der Erkenntnisverweigerung, der Launenhaftigkeit, des Versagens und vieler anderer menschlicher Schwächen und Untugenden unfähig, den Aufbau unserer Seelenstruktur selbst zu übernehmen. So begleiten uns unsere Engel durch unser gesamtes Leben. Sie stehen uns hilfreich zur Seite und helfen uns unsere seelischen Strukturgebilde so in unserem Körper zu platzieren, wie es unserem wahren Wesen am ehesten entspricht. Daher kommt es, dass jeder Mensch seinen eigenen Schutzengel hat und jeder Schutzengel noch weitere Helfer. Oftmals ist ein menschlicher Charakter so störrisch, dass viele Engel notwendig sind um diesen Menschen zu schützen. Dann sagen die Leute: „ Der hat mehr als einen Schutzengel gehabt.“ Manchmal lässt sich ein Mensch nicht helfen, nicht mal von Engeln, dann gibt es Tränen auf beiden Seiten.

Hier endet Rabes Erzählung. Noch heute staunen die Leute über die wunderlichen Geschichten des alten, krächzenden Mannes, der mit wachsender Begeisterung, im Laufe seines Lebens immer gewagtere Philosophien preisgab. Manche Zuhörer schütteln auch heute noch ungläubig den Kopf. Doch bei dem ein oder anderen webt sich ein kleines Stück dieser Philosophien in die Struktur ihres Lebensjahrsiebts.

Autorin: Ralfeva Millionär

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Meine Nacht mit dem leeren Blatt Papier

Veröffentlicht am Samstag, 29 August, 2009 um 20:27 von Ralfeva Millionär.
Kategorien:Kurzgeschichten.

Meine Nacht mit dem leeren Blatt Papier

Da sitze ich nun,

es liegt vor mir,

ein blütenweißes

Blatt Papier.

Mir fällt nichts ein,

das kann nicht sein,

ich könnte in die

Öde schrei´n.

Was mach´ ich bloß,

nicht mal für Moos,

wär´ heut´ in meinem

Kopf was los.


So sitze ich da, meine Augen auf´s Papier gerichtet. In meinem Inneren reihen sich zwar dichterisch die Worte aneinander, aber in einer Art und Weise die mir nicht gefällt.

Dichtung für den Hausgebrauch ( Spülkastendichtung ) (grins) Dichtung für Hochzeits-

belustigungen oder sonstige Feiern. Das letzte was ich will! Ich brauche diesen geistigen

Erguss, die Befriedigung meiner eigenen Worte. Sätze die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Zufriedenheit mit mir selbst. Doch je angestrengter ich nach der Initialzündung suche umso hoffnungsloser scheint mir heute dieses Unterfangen.

Ich mache mir Gedanken in jede erdenkliche Richtung. Wer mich sieht denkt ich meditiere.

Regungslos, den Stift einsatzbereit in der Hand starre ich in mich.

Ansätze die ich wieder verwerfe, Gedanken die ich nicht zu Ende denke. Sätze die es nicht wert sind notiert zu werden. Das Blatt vor mir bleibt leer.

Ich hole ein Glas und den Rotwein. Das scheint mir eine gute Idee. Wein löst die Zunge, womöglich auch meine Gedanken. Ich lechze nach Inspiration, möchte etwas schreiben wie:


Erkenntnisse fliehen

wie fliegende Schwäne,

ach käme nur einmal

die Inspiration.

Ich würde sie packen,

umschmeicheln und halten,

bevor sie durch Spalten

der Einsamkeit flieht.

Ein Lied auf den Lippen,

da all´ meine Macken

und innere Stille

Erkenntnisse kippen

und himmelwärts zieht.


Das Papier weiß, unberührt und makellos. Ich bringe nichts zustande. Meine Phantasie bleibt stumm. Ich schenke mir erneut ein Glas Wein ein. Einschenken kommt von Schank. Schank-

kellner oder Schenkkellner? Was wenn es von Geschenk kommt? Er schenkte mir ein Glas voll Wein, ein. Ich brauchte nicht zu zahlen. „ Wo warst Du heute?“ „Ich war in der Schenke und trank das Eingeschenkte. Es war ein gutes Geschenk!“


Ich bin betrunken!


Betrunken macht mich Deine Nähe,

und das Gefühl, wenn ich Dich sehe.

Taumelnd trenn´ ich mich von Dir,

und wünsche Dich doch neben mir.


Meine Gedanken werden schwammig. Ich hab´ einen sitzen! Wieder so ein Satz der sich auseinander nehmen lässt.

Ich hab´ einem sitzen und fünf stehen!

Ich hab´ einen sitzen, aber weiß nicht wo!

Erst hatte ich einen sitzen, jetzt hat er sich hingelegt!

Der den ich sitzen hatte ist wieder aufgestanden!

Mir fällt wirklich nur Blödsinn ein. Die Flasche ist leer. Der den ich sitzen hab´ und ich können nicht miteinander. Ich möchte schon, aber er ist zu träge. Weil er sich hinlegen möchte, muss ich mit. Ich vertrage doch nix. (hicks) Das leere Blatt vor mir ist unerträglich.

Ich nehme den Stift, der mittlerweile fein säuberlich auf dem Blatt ruht und sehe mich etwas auf das Blatt schreiben.

Ich gehe ins Bett eine Runde Karussell fahren.


Wie ein buntes Karussell,

ist das Leben, ist das Leben,

wie ein buntes Karussell,

nehmen, geben, nehmen, geben,

wie ein buntes Karussell,

trinken, rauchen, trinken, rauchen,

wie ein buntes Karussell,

haben, brauchen, haben, brauchen,

wie ein buntes Karussell,

auf und nieder, auf und nieder,

wie ein buntes Karussell,

immer wieder, immer wieder,

wie ein buntes Karussell,

viel zu schnell, viel zu schnell.


Jeder Gedanke der nicht augenblicklich festgehalten wird ist rettungslos verloren. Da kann ich mir die raffiniertesten Eselsbrücken bauen, selbst nur die Ideen zu einem Text sind ohne Notiz

nach kürzester Zeit verschwunden. Alle Gedanken die mich in dieser Nacht begleiteten sind weg. Übrig geblieben sind nur das empfindliche Verhalten meines Magens und mein Kopf der über Nacht etwas dicker geworden scheint. Nein, ich möchte ihn nicht schütteln. Meine Nacht mit dem leeren Blatt Papier. Ein guter Titel mit dem sich etwas machen lässt. Nur gestern Nacht? Das war wohl nichts. Ich äuge zu meinem leeren Blatt hinüber. Richtig, ich hatte doch was drauf geschrieben!?!? Neugierig, weil ich nicht weiß welche Überraschung mich erwartet gehe ich zum Schreibtisch und entziffere mein Gekritzel. Da steht ein Satz der die nächtliche Situation nicht treffender widerspiegeln kann. Da steht:

„Um meine Mitte wankt mein Ich!“

Autorin: Ralfeva Millionär



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